
„Willkommen auf der besten (und wahrscheinlich auch einzigen) Fan-Seite im Web zum Atari ST Spiel KICKER von 1991, und seinem kommerziellen Ableger Starbyte Super Soccer. Diese Hommage wurde von meinem ‚großen‘ Bruder Frank erstellt, dem größten Verehrer dieses Spiels, der mir bekannt ist. Dicht gefolgt natürlich von Kicker Bernd... Vielen Dank, lieber Frank, für diese tolle Erinnerung! Dein ‚kleiner‘ Bruder Dirk!“
KICKER war einer der ersten deutschsprachigen Fußballmanager, entwickelt ab 1987 auf dem Atari ST, inspiriert vom 1984er Footballmanager auf dem ZX Spectrum.
Die Anfänge von KICKER gingen auf ein Programmierexperiment zurück. Mitte der 80er hatten wir (Bernd, Dirk und Frank) auf dem Sinclair ZX Spectrum das Spiel „Footballmanager“ Monate lang durchgesuchtet. Mein ‚kleiner‘ Bruder Dirk hatte im Teenie Alter die Idee, eine deutsche Version nach diesem Vorbild des Uhrahns aller Fußballmanagerprogramme zu entwickeln.
Er bastelte daran, diese Vision auf seinem Atari 600 XL Wirklichkeit werden zu lassen. Leider scheiterte die Umsetzung schlicht am fehlenden Speicher, der auf dem Atari gerade einmal 16 Kilobytes betrug. Aber immerhin: die Spielergebnisse wurden auf Basis eines Mannschaftsmodells mit diversen Parametern ausgerechnet oder – wie er heute sagt – ausgewürfelt. Auch die Mannschaftsaufstellung und ein paar Tabellen waren bereits realisiert. Zu mehr hatte es aber nicht gereicht.
Dirks Konfirmation und reiche Paten aus der Schweiz ermöglichten dann die Anschaffung eines Atari ST Computers. Ein absolutes Traumgerät! Damit gab es auch keine Ausrede mehr, was den RAM Speicher betraf. Dirk startete einen neuen Versuch und portierte zunächst den Algorithmus zur Ergebnisberechnung.
Anstatt sich zu entspannen und einfach nichts zu tun, nutzte mein kleiner Bruder die Sommerferien 1988, um von früh morgens bis spät abends an seinem ST fleißig KICKER zu coden. Die Nächte waren auch deswegen besonders kurz, weil Bernd, Dirk und ich (Frank) sie bevorzugt dazu genutzt haben, KICKER in ausgiebigen Spiele- und Testsessions intensiv zu testen. Viele neue Spielideen wurden dabei erdacht und von Dirk oft gefühlt am nächsten Tag umgesetzt.
Programmiersprache der Wahl war das damals sehr beliebte GFA-Basic 2.0. Dirk war Autodidakt. Dementsprechend sah auch der semi-strukturierte Programmcode aus. Speicher Management, sprechende Variablennamen oder Inline Dokumentation? Fehlanzeige! Dennoch bot GFA-Basic genug Möglichkeiten, Dirks Vorstellungen vom Spiel umzusetzen und gerade noch so in seiner Komplexität zu beherrschen.
Zwei Funktionalitäten wurden allerdings über zwei externe Assembler-Bibliotheken umgesetzt: Der frei skalierbare und pixelgenau positionierbare Zeichensatz sowie die (zumindest in der Theorie möglichen) 16-farbigen Sprites für die Darstellung der Spielehöhepunkte zum Abschluss eines Spieltags. Diese wurden von einem älteren Programmierkollegen von Dirk beigesteuert, dafür den besonderen Dank an Oliver Merklinghaus!
Übrigens waren die Bibliothek iconomic und der dazugehörige Sprite-Editor von Dirk das „Listing des Monats“ im Atari Magazin Ausgabe Januar 1989.
Irgendwann war KICKER dann „fertig“ und wurde im Freundes- und Bekanntenkreis verteilt. Nicht ganz geklärt ist, wie KICKER zur berühmt-berüchtigten deutschen Spielezeitschrift ASM gelangte. Dort wurde es in der Rubrik „Microwelle“ (ja, mit c und nicht mit k) in der Ausgabe 8+9/1990 vorgestellt.
Zur gleichen Zeit meldete sich die unter dem Label Magic Bytes bekannte Firma Micropartner mit dem Angebot, KICKER professionell vermarkten zu wollen. Leider wurde daraus nichts, da die Firma es nicht schaffte, das Spiel auf andere Plattformen zu portieren. Der Vertrag wurde Ende 1990 wieder aufgelöst. KICKER blieb der breiten Öffentlichkeit zunächst vorenthalten.
Immerhin konnte Dirk einige Monate später einen Leserbrief in der ASM veröffentlichen, in der er ankündigte, KICKER im Selbstvertrieb als Shareware anzubieten. Zum Speichern musste eine Anleitung mit Speichercodetabelle zum Preis von 30 DM erworben werden. Kurz darauf tröpfelten die ersten Bestellungen bei uns ein. In der Erinnerung wurden so bis zu 100 Exemplare verkauft. Auch auf damals bekannten Shareware CDs wurde KICKER verbreitet.
Anfang 1991 wurde die deutsche Spielefirma Starbyte Software auf unseren Fußballmanager aufmerksam. Die Geschäftsführer stellten eine Veröffentlichung in Aussicht, und unerfahren wie wir waren wurden wir schnell vertragseinig. Neben der Atari ST Version sollten auch Portierungen auf PC, Amiga und C64 umgesetzt werden.
Unter dem wenig originellen Namen Starbyte Super Soccer wurde KICKER dann Ende 1991 zum Weihnachtsgeschäft zumindest für ST und PC veröffentlicht, gefolgt von der Amiga Version. Ergänzt um eine neue Grafik zum Programmstart, Musik und echte Stadiongeräusche, aber ansonsten weitgehend unverändert, heimste Starbyte Super Soccer eine Reihe von sehr guten Wertungen in den deutschen Spielezeitungen ein.
Besonders stolz machten uns die 80% Bewertung des Urvaters der deutschen Spieleredakteursszene Heinrich Lenhardt in der Powerplay. Starbyte Super Soccer schaffte es auch in die Liste der 100 besten Spiele der Powerplay im Sonderheft von 1991.
Was hätte da noch passieren und den Erfolg verhindern können? Zum einen der zeitgleich erschienene Bundesligamanager Professional, in dessen langen Schatten Starbyte Super Soccer eindeutig stand. Ganz zu schweigen von dem ein Jahr später erschienenen Anstoss. Zum anderen die Pleite von Starbyte Software kurz nach Veröffentlichung.
Reich im monetären Sinne ist Dirk also nicht durch SSS geworden. Schon bei den ersten vertraglich zugesagten Zahlungen gab es Probleme. Leider segnete Starbyte schon bald nach dem Erscheinen des Spiels in 1992 das Zeitliche. Oder wie es im Juristendeutsch von Dirks Anwalt hieß: „Die GmbH hatte sich offensichtlich stillschweigend ohne Rechtsnachfolge aufgelöst“.
Ein Jahr später tauchte in Bochum die Starbyte mit leicht geänderten Namen und neuer Geschäftsführerin wieder auf. SSS wurde wieder aufgelegt und später auch in diversen Spielekollektionen erneut gebundlet. Aber das haben wir schon gar nicht mehr richtig registriert, Dirk hatte das Spiel schon abgeschrieben und war gedanklich ganz im Studium und einem neuen Lebensabschnitt angelangt.
KICKER, oder eben Starbyte Super Soccer, hat dennoch einigen Spielern eine schöne Zeit beschert und bleibende positive Erinnerungen hinterlassen. Der großartige Artikel auf Videospielgeschichten.de von Denis ist der Grund, warum es die KICKER Memorial Seite gibt, und warum Dirk nach knapp 30 Jahren sogar eine neue Version bereitgestellt hat, in der er einen Bugfix zu nicht erkannten Mausklicks umgesetzt hat und sich KICKER in der Emulation ohne Floppy-Wechsel spielen lässt.
Denis Roters, der Autor des wunderbaren Artikels „Wie Starbyte Super Soccer in mein Leben kam“, erfährt von Dirk die wahre Geschichte hinter dem Spiel. Dirk berichtet von der Entstehung und verrät dabei einige technische Details. Und warum er mit Starbyte Super Soccer nicht glücklich (und auch nicht reich) wurde. Für die ganz Hartgesottenen gibt es das 2,5-stündige Interview hier in voller Länge.
Auch direkt auf YouTube zu finden.

„Schon nach den ersten Spieltagen verfällt man dem Suchtsog dieses hervorragend ausgetüftelten Programms... Bei den vielen Optionen und Statistiken hat der Programmierer den goldenen Mittelweg erwischt.“
— Heinrich Lenhardt, Powerplay
Wertung: 80%

„Der Traum aller Fußballfans: "Genial", "Ein Meilenstein", "Grafik ist nicht alles", "In meinen Augen ist SSS Starbytes bisher bestes Produkt..."“
— ASM Magazin 1/92
Wertung: 11/12 (ASM-Hit)
„Je absurder der Vereinsname, desto begeisterter war ich... Das Spiel wurde umgehend meine ganz große Liebe... Vielleicht ist "Starbyte" das wichtigste Spiel meines Lebens.“
— Denis Roters, videospielgeschichten.de
Ganzen Artikel lesen →
„Rein spielerisch braucht der hochkomplexe Fußballmanager keine Vergleiche zu scheuen... Nach dem Fußballmanager Professional, meldet nun Starbytes Ledertreter ihren Anspruch auf den Meistertitel an.“
— Amiga Joker 12/91
Wertung: 74%

„Voll ins Netz!... Die Softler aus dem Ruhrpott haben mit ihrer neuen Fußballsimulation einen spektakulären Treffer gelandet... In Punkte Komplexität macht dem Programm so schnell keiner was vor... 1:0 Für Starbyte.“
— PC Joker 6/91
Wertung: 78%

„Wer einen guten Fußballmanager sucht, kommt an KICKER nicht vorbei... KICKER ist der Name jener Fußballmanager-Simulation von Dirk Weigand, die sich problemlos mit den Profi-Programmen messen kann.“
— ASM Microwelle 8+9/91
Nach über 30 Jahren hat Dirk den Quellcode wiederentdeckt und überarbeitet – ca. 20.000 Zeilen in GFA-Basic.
Ein hartnäckiger Bug bei der Mausklick-Erkennung beim Programmstart wurde identifiziert und behoben. Die emulierte Version funktioniert jetzt zuverlässig ohne Diskettenwechsel.
KICKER REVIVAL auf GitHub →